Heute haben wir einen Freund besucht, den wir seit über 30 Jahren kennen, aber zuletzt 6 Jahre lang nicht gesehen haben. Eines der Themen über die wir gesprochen haben, war die Rolle, die der Zufall im Leben spielt.

Wie viele Dinge, die unser aktuelles Leben ausmachen, wie viele der Menschen, die uns umgeben, wie viele der Aktivitäten die uns beschäftigen, sind durch „Zufall“ in unser Leben gekommen? Ich würde behaupten: alle.

Vieles erscheint uns als logische Folge von Vorausgegangenem. Aber wenn ich es Schritt für Schritt zurück verfolge, steht am Anfang jeder logischen Kette: ein Zufall.

Wir mögen abwägen, nachdenken, planen, tun, hartnäckig sein – dann aber passiert etwas und alles nimmt eine andere Richtung. Anderes wäre nie passiert, ohne einen Beginn, der dem Zufall zu verdanken ist.

Seltsam fühlt es sich an, wenn ich das hier niederschreibe. Denn bin nicht ich es, der immer sagt: es ist wichtig, zu wissen, was man will, zu planen, wie man dort hin kommt, konsequent und kontinuierlich dranzubleiben bis es erreicht ist? Stimmt, und davon bin ich auch überzeugt.

Trotzdem spielt der Zufall eine absolut gewichtige Rolle in unserem Leben, Zufall steht am Anfang jeder einzelnen Ereignisskette – und das ist auch gut so. Wie vorhersehbar und langweilig wäre das Leben, ohne die Möglichkeit, dass der Zufall dazwischenfunkt?

Was ich damit aber absolut nicht sagen will ist: überlassen wir einfach alles dem Zufall. Ganz im Gegenteil. Gerade aus dem Willen, unser Leben willentlich zu formen, es aktiv zu gestalten, Ziele zu verfolgen und diese mit Energie zu erreichen – gerade daraus entsteht das schönste Bett – oder Beet – wie man will – für den Zufall.

Womit wir wieder beim Spannungsbogen wären, von dem ich gestern schon geschrieben habe und aus dem alle Geschichten entstehen, die Spannung, die der Antrieb ist für jede Geschichte, selbst jene Geschichte, die wir unser Leben nennen.

In dem Fall die Spannung, die sich aus dem Gegensatz von Zufall und bewusster Entscheidung ergibt.

Denn das, was uns zu-fällt müssen wir auch bereit sein, zu fangen.

Bild: Karin Schäfer,Farbenmischteller

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