Heute früh, bei meinem morgendlichen Gang auf den Hausberg, noch vor Sonnenaufgang, war ganz im Osten die Venus zu sehen, der Morgenstern.

Das hat mich daran erinnert, vor Kurzem vom Konzept des „Leitsterns“ gehört zu haben. Demnach sollte ich für das was ich tue – für alles, was ich tue – einen „Leitstern“ haben.

Eine einzige Idee, einen Wunsch, ein Prinzip, einen Traum – jedenfalls eine einzige Sache, an der ich alle meine Handlungen orientiere. So, wie eben in früheren Zeiten Reisende einem Leitstern gefolgt sind: ein Stern, der in der Richtung liegt, in die ich möchte und dem ich, komme was wolle, folge, um ans Ziel zu gelangen.

Der Stern ist nicht das Ziel. Er hilft mir nur, die Richtung zum Ziel bezubehalten. Vielleicht kommen Dinge, die mich vom Weg abbringen – ein schneebedeckter Berg, ein unüberquerbarer Fluss – vielleicht ist der Himmel nächtelang wolkenbedeckt und ich sehe meinen Stern nicht, aber letztlich ist er da, unverändert in der Richtung gelegen, in die ich mich vielleicht langsam, aber in jedem Fall konstant, bewege.

Was könnte dieser Stern sein? Ich kann und will das heute und hier (noch) nicht beantworten. Es ist in jedem Fall wert, darüber nachzudenken, ich finde es ein sehr schönes und stimmiges Konzept. Und es scheint ja seit Jahrhunderten, Jahrtausenden bekannt zu sein und zu funktionieren. Es hat zahlreiche Mythen und Geschichten inspiriert und es inspiriert auch mich.

Der Morgenstern ist übrigens die Venus – in der Antike die Göttin der Liebe. Kann „Liebe“ der Leitstern sein? Liebe im Sinne von: Liebe zu dem was ich tue, Wertschätzung und Anerkennung für diejenige, für die ich meine Arbeit tue, Hinwendung zu den denjenigen, mit denen ich arbeite und zusammentreffe?

Das ist ein schöner Gedanke. Ganz so für sich überzeugt er mich noch nicht, als Leitstern, scheint mir zu allgemein, zu beliebig. Liebe ist schön, aber universell. Was ist mein ganz persönlicher Leitstern?

Bild: Graffiti in Barcelona, Barrio Gótico, unbekannte Künstler°in, Foto: Karin Schäfer, Oktober 2013

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