„Ich bin Puppenspieler und ich habe 2 Hände. Wenn die Figur auf der einen Hand gut ist, dann ist die andere böse – alles andere ergibt sich daraus“.

So oder so ähnlich hat es einer der Teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Figurentheaterfestivals in Gavà bei Barcelona gestern gesagt. Es ging um die Entwicklung von Geschichten im Theater mit Figuren und was zuerst da ist – die Geschichte oder die Figur.

Wenn die eine Hand (natürlich die Figur darauf) gut ist, dann ist die andere Hand böse. Aus diesem Gegensatz ergibt sich die Spannung, die die Geschichte vorantreibt. Dieser Gedanke enthält gleich mehrere spannende Gesichtspunkte – spannend im wahrsten Sinn des Wortes:

Zunächst einmal braucht es Bewegung, damit wir Menschen interesse an einer Sache haben. Bewegtes ist interessanter als Statisches. Wenn sich etwas bewegt, sind wir eher geneigt, hinzusehen, das ist ein biologischer Reflex.

Ebenso finden wir sich verändernden Dinge und Situationen spannender als gleichbleibende. Veränderung ist ebenfalls eine Form der Bewegung. Bewegung aber braucht immer Antrieb, ohne Antrieb bewegt sich nichts.

Dieser Antrieb kann aus verschiedenen Quellen stammen, aber einer der effizientesten Antriebe ist: Spannung. Wie ein Gummi oder eine Feder, die Zug erzeugen.

Diese Spannung entsteht aus einem Gegensatz, aus zwei Polen, zwischen denen die Spannung aufgebaut wird – wie eben derjenige zwischen Links und Rechts. Gut und Böse. Mann und Frau. Hell und Dunkel. Schnell und Langsam. Laut und Leise. Und immer so fort.

Genau diese Spannung braucht jede Geschichte: einerseits um sich zu entfalten, andererseits um unsere, des Publikums Aufmerksamkeit zu halten. Nicht als Zusatz, nicht als eines von vielen Elementen, sondern als Basis: fundamentaler als Antrieb.

Da sich zu jedem Ding, jedem Ereignis, jedem Zustand ein Gegenteil denken lässt, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, diesen Zustand der Spannung aufzubauen.

Aber auch dies ist eine Grunddisposition unseres Gehirns: sich Gegensätze denken zu können. Diese Gegensätze entspringen aber ausschließlich unserem Gehirn.

In der Welt selbst gibt es nämlich nichts Gegensätzliches. Alles ist Kontinuum. Zwischen Tag und Nacht liegen tausende Schatten der Dämmerung, zwischen Gut und Böse tausend Varianten von Absichten, selbst unser Dasein als Mann oder Frau ist nicht so eindeutig definiert, wie wir es gerne hätten.

Nur links und rechts, die Tatsache, dass wir bilateriale Wesen sind, mit einer Symetrieachse in der Mitte, die ist definiert. Unser Körper hat eine linke und eine rechte Seite. Aus diesem Gegensatz ergibt sich unsere gesamte Weltsicht, unsere Einordnung der Welt, alle unsere Geschichten, die wir uns selbst über die Welt und unser Sein erzählen.

Bild: Aussenmauer einer Kirche (traditionelles Muster) in Telde, Gran Canaria, Foto: Peter Hauptmann, 2018

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