Ist es nicht ein unglaubliches Paradoxon, dass ausgerechnet der „Tag der Arbeit“ in den meisten Ländern ein Feiertag ist, an dem nicht gearbeitet wird?

Wäre es nicht spannender und gewinnbringender wenn die Menschen an diesem Tag zwar arbeiten würden, sich dabei aber – zumindest an diesem einen Tag – bewusst machen würden, was sie da tun?

Anders als die christlichen Feiertage, die für all jene, die nicht daran glauben, ihren ursprünglichen Sinn verloren haben, wird am Tag der Arbeit ja etwas gefeiert, das für jeden Menschen eine Bedeutung hat.

Denn ob wir das wollen oder nicht, praktisch jeder Mensch sieht die Arbeit als einen der Schwerpunkte seines Lebens. Selbst die Arbeitslosen definieren sich darüber, eben keine Arbeit zu haben und auch Schüler, ja so gar Kindergartenkinder „erarbeiten“ etwas in einer Zeit, die sie an einen bestimmten Ort verbringen müssen.

So lernen sie übrigens, dass es vollkommen normal ist, jeden Tag irgendwohin zu gehen und seine Zeit mit einer bestimmten vorgegebenen Tätigkeit zu verbringen. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen ist ja „Arbeit“ der Austausch von Lebenszeit gegen Geld.

Da wir, soweit wir wissen, nur dieses eine Leben haben, ist dies natürlich eine schwerwiegende Entscheidung: wieviel ist meine Zeit wert und wofür möchte ich sie verkaufen – oder sagen wir mal, weniger wertend (warum auch immer „verkaufen“ wertend sein sollte): wofür möchte ich sie einsetzen?

Denn schließlich stehen ja auch Selbständige, die nicht ihre Zeit, aber ihre Leistung verkaufen und auch Menschen, die genug Geld haben um nicht „arbeiten“ im herkömmlichen Sinn zu müssen, vor der Entscheidung, wie und wofür sie ihre Zeit einsetzen möchten.

Genügend Gründe also, diesen „Tag der Arbeit“ tatsächlich unserer Arbeit zu widmen, also dem, was wir mit den Stunden unseres Lebens so tun, wenn wir gerade nicht schlafen oder „freie Zeit“ (frei wovon…?) haben.

Wofür tun wir das, was wir tun? Für wen? Wem nützt es? Vor allem aber: nützt es uns selbst? Ist es die Zeit und die Mühe wert, die wir einsetzen oder tun wir es einfach nur, weil uns nichts besseres einfällt? Wollen wir immer so weitermachen oder wollen wir eigentlich etwas ganz anderes tun?

Und falls ja: warum tun wir es dann nicht?

Wäre es nicht schön, wenn am Tag der Arbeit doch alle arbeiten würden, aber diesen einen Tag lang so tun, als wäre diese Arbeit, mit der sie Tag für Tag verbringen, tatsächlich die größte Erfüllung ihres Lebens, das Beste, was sie mit einem so großen Anteil ihrer Lebenszeit tun können und tun möchten?

Oder aber: wenn jede°r Einzelne einen Tag lang tatsächlich das tut, was er oder sie wirklich gerne tun möchte („Arbeit“ nicht „Freizeit“ – wie immer auch das jede°r für sich definiert) um mal kurz auszutesten, wie sich das anfühlt?

Bild: Auschnitt aus „highly senSEAtive“, SEAmap von Karin Schäfer #kunstfairteilen

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